Schloss Elmau mit Flaggen

G8 in tiefer Krise

Die aktuelle Krise um die Krim wirkt sich nun definitiv auf den kommenden G8 Gipfel in Sotchi aus. Während in den letzten Wochen die Vorbereitungen zum Gipfel ausgesetzt wurden, wird nun die G8 als solche in Frage gestellt. Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel existiert die G8 in dieser Situation nicht mehr. Somit ist ein Stattfinden des Gipfels im russischen Sotchi nun nahezu ausgeschlossen.

Ob es einen Ersatzgipfel der G7 an einem anderen Ort geben wird, London war schon im Gespräch, ist aktuell noch unklar. Auch ist noch vollkommen unklar, unter welcher Bezeichnung und Zusammensetzung das Gipfeltreffen 2015 in der Elmau stattfinden wird. Momentan scheinen die Fronten sehr verhärtet, so werden die geschaffenen Fakten auf der Krim von westlicher Seite als nicht verhandelbar bezeichnet. Und es scheint, als ob die aktuelle Krise nur das öffentliche Schauspiel eines tieferen Konflikts ist. Die große Pufferzone zwischen Moskau und der NATO mit den ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts ist in den letzten Jahren zugunsten der NATO erheblich geschrumpft. Nun ist die Krim für Russland sicherlich nicht entscheidend. Rußland besitzt einen eigenen Zugang zum schwarzen Meer und baut dort an Marine Stützpunkten. Allerdings bedeutet eine weitere Ostverschiebung der NATO eine direkte Gefahr für Rußland: der amerikanische Raketenabwehrschild würde direkt an die russische Grenze verschoben, die gegenseitige Abschreckung wäre dadurch einseitig erheblich eingeschränkt. Mit Afghanistan befinden sich westliche Truppen in der ehemaligen Einflußsphäre der Sowjetunion. Rußland sieht sich wahrscheinlich geostrategisch immer weiter zurückgedrängt, so dass ein Einlenken in der aktuellen Krise eher unwahrscheinlich wird. Manch einer mag im aktuellen Konflikt die letzte Bastion eines Rückzugsgefechts sehen. Sicherlich, durch den Kollaps der Sowjetunion hat Rußland stark an Einfluß verloren, das ist einfach Fakt. Geblieben ist aber ein großes Waffenarsenal und mit der aktuellen Führung auch ein gestärktes Selbstbewußtsein. Möglicherweise kann durch Sanktionen der wirtschaftliche Druck eine Auswirkung zeigen, bevor jemand die Nerven verliert und die Situation eskaliert. Klar ist aber auch, das durch die Ereignise die Positionen geklärt werden und ein Neuanfang der G8 - wenn er stattfinden sollte - nicht von Sonntagsreden sondern von Diskussionen grundsätzlicher Natur geprägt sein wird. Ein Ansatz zur Lösung könnte aber auch in der wirtschaftlichen Grundbedeutung der G8 liegen: die Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher Ebene ausbauen und sich auf Blockfreie (um diesen alten Begriff wieder zu bemühen) Korridore verständigen, die das militärische Potential zukünftiger Unstimmigkeiten reduzieren. Wird es also 2015 in der Elmau ein G8 Treffen geben? Vielleicht, aber anders als wir es uns heute vorstellen. Es könnte aber auch ein G7 Treffen werden.

(PR - 20.03.2014)

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