Schloss Elmau mit Flaggen

Stresstest fĂŒr Digitalfunk

Manch einer mag sich am Samstag ĂŒber eine bunte Kolonne aus Blaulichtfahrzeugen zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald gewundert haben. Grund war ein erster Stresstest fĂŒr das neue Digitalfunknetz der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben).

Der grĂ¶ĂŸte Teil des Netzaufbaus ist inzwischen abgeschlossen und teilweise funken bereits Organisationen mit dem neuen Funknetz. Gleichzeitig lĂ€uft die Abnahme des Systems welches sich aktuell im sogenannten erweiterten Probebetrieb befindet. SpĂ€testens zum G7-Gipfel in Elmau muss das Netz bereit fĂŒr tausende EinsatzkrĂ€fte sein.
Thema beim Test am Samstag war der erste Stresstest fĂŒr das System. Dabei wurde versucht mit bis zu 400 FunkgerĂ€ten gleichzeitig Aktionen im Netz auszulösen und zu dokumentieren wie es darauf reagiert. Dazu gehörte, alle Zeitschlitze eines Funkmastes zu belegen und dann einen Notruf auszulösen oder in einer Fahrzeugkolonne mehrere hundert FunkgerĂ€te in kurzer Zeit die Funkzelle wechseln zu lassen.
Der Test wird nun ausgewertet, trotzdem kann bereits festgestellt werden, dass es zu keinen grĂ¶ĂŸeren AusfĂ€llen kam. In den nĂ€chsten Monaten stehen weitere Tests an. Derweil werden auch immer mehr Einheiten bei den Hilfsorganisationen mit der neuen Funktechnik ausgestattet, so dass auch eine intensive PrĂŒfung in Einsatzszenarien durchgefĂŒhrt werden kann.

Hintergrund zum Digitalfunk

Bisher nutzen die BOS jeweils eigene Funknetze. Die GerĂ€te sind zwar kompatibel, die Basisstationen mĂŒssen aber fĂŒr jeden genutzten Kanal separat errichtet werden. Um einen bestimmten Bereich zu versorgen sind daher viele Funkstationen erforderlich.
Beim Digitalfunk der BOS auf Basis des TETRA Standards teilen sich alle BOS Organisationen die Infrastruktur. Statt fĂŒr Rettungsdienst, Bergwacht, Feuwerwehr und Polizei jeweils eigene Basisstationen errichten zu mĂŒssen, können nun alle Dienste ĂŒber ein Netz laufen.
Das zugrunde liegende Verfahren Ă€hnelt Handynetzen, ist aber besonders auf die Anforderungen der Sicherheitsorganisationen abgestimmt. WĂ€hrend Handynetze vor allem auf eine Punkt zu Punkt Kommunikation ausgelegt sind, liegt bei TETRA der Schwerpunkt auf einer Punkt zu Multipunkt Verbindung, also der Möglichkeit von einem GerĂ€t aus an eine ganze Gruppe zu sprechen. Die Basisstationen können dazu auf einer Frequenz im sogenannten Zeitschlitzverfahren mehrere Sprechgruppen unterschiedlicher Organisationen gleichzeitig bedienen. Gleichzeitig sind nun Sonderverfahren wie TextĂŒbermittlung und StatusĂŒbertragung direkt im Funkstandard verankert, beim Analogfunk waren dies Verfahren die oft nur mehr schlecht als recht funktionierten.
Davon abgesehen sind es aber sicherlich zwei Merkmale, die dem Digitalfunk Auftrieb geben: eine durchgehende VerschlĂŒsselung und eine wesentlich bessere SprachqualitĂ€t. Bayern hat dabei die Anforderungen an den Digitalfunk höher angesezt als es der Mindeststandard GAN vorschreibt. Der als GAN+X beschriebene Standard schreibt eine bessere Versorgung ausserhalb von Siedlungsgebieten und mit HandfunkgerĂ€ten vor.
Im erweiterten Probebetrieb wird der auf Simulationen beruhende Netzausbau in der Praxis getestet und es besteht die Möglichkeit, bei Problemen nachzubessern.

(PR - 02.02.2015)

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